Welch ein Comeback! Nach gefühlten 20 Jahren war er wieder da, der Andrew Eldritch aus Leeds, UK, mit seiner mir unbekannten Begleitung in Form von 2 Gitarristen.
So manche Vorstellung, manch umnebelte Erinnerung aus Jugendzeiten tauchte wieder auf und wollte sich wiederbeleben lassen. Was geschah, war Folgendes:
Um 20:40 betrat ich mit meiner französischen Begleitung die brechend volle Columbiahalle, wo uns auch schon düster melancholische Klänge der Vorband empfingen. Nachdem wir dann in der in meinen Augen nicht sonderlich geeigneten Konzertörtlichkeit einen mehr schlecht als rechten Platz gefunden hatten, ging es nach wenigen Minuten des Wartens dann auch los.
Wenig Licht, dafür viel Nebel kündigten, wie auch damals, das Schauspiel an. Was ich erwartet habe – einen düsteren, schwarzhaarigen hageren Mann mit Sonnenbrille – trat dann zu meiner Überraschung NICHT auf. Vielmehr war es ein kleiner, im T-Shirt gekleideter Mann mit kaum Haaren auf dem Kopf. Nur die Sonnenbrille blieb. Wie sich im Laufe des Konzerts als gute Idee herausstellte. Denn die Lichter, die es durch den Nebel schafften, waren doch arg belastend fürs unbesonnenbrillte Publikum.
Nach einem mir unbekannten Opener – wie das geht, weiß ich bis jetzt noch nicht, da ich meinte, alle Platten der SoM zu kennen oder wurde hier in der Zwischenzeit doch neues Material erschaffen, was noch nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, um nur auf diese Tour zu warten – ging es über in die bekannten Stücke von Flood, Ribbons und Anaconda. Die Sisters galten ja noch nie als ausgesprochen bahnbrechende Live-Band. Dafür lebt Ihre Musik zu sehr von der Studio-Perfektion, gepaart mit der einmaligen Stimme des Herrn Eldritch. Diese war unverkennbar noch vorhanden, auch wenn man schon sehr genau hinhören musste, da sie doch recht schwach war.
Mit Alice, Detonation Boulevard und Vision Thing wurde die Stimmung von Minute zu Minute dann immer besser und es fing an, mir wirklich Spaß zu machen. Mit diesem bisherigen Verlauf kann ich mich schon an 50% mehr erinnern, als an alle in der Vergangenheit erlebten Sisters-Konzerte zusammen. Jaja, die Jugendsünden.
Was folgte, waren die Sisters pur. Dominion / Mother Russia, Marian, Something Fast, Flood II, First and last and always. Und dann war auch schon Schluss. Nach 2 Mal 3 Zugaben wurde der musikalische Abend dann mit dem Tempel der Liebe beendet und für mich ging ein netter Abend.
Fazit
Was ich erwartet habe, war düsterer, sich selbst bemitleidender Pathos, gepaart mit Melancholie und Traurigkeit. Was ich erlebt habe, war ein fast schon partyhafter Gig mit einem wie mir scheint komplett anderem Sänger, der in den stillen Jahren anscheinend Entertainerqualitäten sich angeeignet hat, so wie er mit dem Publikum kommuniziert hat und es sogar zum Mitsingen animiert hat. Es gab zwischen 2 Liedern so etwas wie Ansagen, die ich leider akustisch nicht verstehen konnte. Und nach einem Lied gab es sogar ein Thank You. Wer die Sisters, also diesen Andrew Eldritch, aus vergangenen Tagen kennt, der musste diesen kurzgeschorenen Mann da vorn für einen Doppelgänger gehalten haben. Oder es war tatsächlich einer, und der echte saß hinter der Bühne, und hat versucht zu singen. Vielleicht würde das auch die saumäßige Stimme erklären. Nun gut, ich würde trotzdem jederzeit wieder hingehen.
